HAUL

Ein therapeutischer Tanztheaterabend von Tim Gerhards.

Premiere am 29. Oktober 2015 in Bremen

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Dass Konsum krank machen kann, sieht man heutzutage zur Genüge auf Youtube: Junge Frauen, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, sehen sich einem Leiden ausgesetzt, dass ihr Handeln bestimmt. Sie kaufen billigste Klamotten von Primark oder Ramschkosmetika von Rossmann und müssen, von einer Art psychosozialem Drang geleitet, ihre Einkäufe der Webcam zeigen. Von dort aus sehen diesen Haul dann zigtausende andere junge Mädchen. Diese Erkrankung verbreitet sich dadurch ungebremst. Experten sprechen von der ersten ansteckenden psychologischen Krankheit. Noch ist dieses Phänomen eher unerforscht, aber immerhin gibt es schon eine Definition:

Haul [hɔːl], der; aus dem Englischen Fang, Fischfang. Der H. bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch den krankhaften Einkaufsrausch. Häufige Symptome sind die Zurschaustellung der Shoppingbeute auf Videoportalen wie Youtube sowie das besinnungslose, stundenlange Verbringen in einschlägigen Kaufhäusern. Eine Therapie findet bislang nicht statt. Erkennungsmerkmale sind Sätze wie „Ich weiß nicht, warum ich alles in grau gekauft habe, ich hasse eigentlich grau. Aber egal, hahaha!“. Sprachgebrauch: „Ich zeige Euch heute meinen neusten Primarkhaul“, „Haul nicht so rum!“ und, seltener: „Seht Euch meinen neusten Porschehaul an“.

Noch ist dieses Kulturphänomen der breiten Öffentlichkeit unbekannt. Vor allem Menschen über 26 Jahren haben davon  noch nie etwas gehört – oder sie ignorieren dieses ernstzunehmende psychotische Leiden bei ihren eigenen Kindern. Zurzeit gibt es noch keinerlei medikamentöse Behandlung. Auch die Politik unternimmt noch nichts. Dies ist der Punkt, an dem Künstler sich dieses Themas annehmen müssen, um selbstlos die Gesellschaft auf eines der dringendsten Probleme unseres Nachwuchses hinzuweisen: Wie kann ich mit meinem eigenen Konsum Geld verdienen? Reicht es, wenn ich mir für 30 Euro meine Taschen bei Primark vollmache und hinterher über Werbung auf Youtube den nächsten Einkauf finanziere? Oder muss ich tatsächlich etwas lernen und arbeiten gehen?

Hier kriegen Sie ein paar Eindrücke von diesem schrecklichen Krankheitsbild. Sollten Sie alt genug sein, um von diesem Phänomen noch nie etwas gehört haben, können Sie die Videos gefahrlos sehen. Alle anderen laufen Gefahr, selbst Haul-Videos zu machen und sollten diese Beispiele besser nicht ansehen.

 


 TRAILER


BESETZUNG

Janine Claßen, Mariko Koh, Denis Fischer

Choreografie und Projektleitung: Tim Gerhards

VA-Management: Johanna Melinkat

Texte: Peer Gahmert


TERMINE

29. und 31.10.2015

jeweils 20:00 Uhr

Cigarettenfabrik – Sirius Areal

Hermann-Ritter-Straße 108, 28197 Bremen

 

5. und 6.11.2015

jeweils 20:00 Uhr

Spedition im Güterbahnhof

Am Handelsmuseum 9, 28195 Bremen

 

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Gefördert vom Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen, dem Beirat Woltmershausen und der ZZZ – ZwischenZeitZentrale Bremen

Partner: Sirius Facilities, Spedition, Theater Bremen